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Stellungnahme des Bürgerforum Altstadt Ravensburg e.V.
zur Gestaltung des Gespinstmarktes in Ravensburg


Mit der Fertigstellung des Gespinstmarktes hat die Stadt Ravensburg wieder einen großen Schritt zu einer lebenswerten Stadt gemacht. Aus einer Blechwüste ist ein schmucker und intimer Platz entstanden, der alle Besucher zum Verweilen einlädt.

Das Bürgerforum Altstadt Ravensburg e.V. hat sich seit Jahren hier massiv für eine reine Fußgängerzone ohne jegliche PKW-Parkplätze stark gemacht und dafür manche Anfeindungen hinnehmen müssen. Letztlich ausschlaggebend war der resolute Einsatz von OB Dr. Rapp in der entscheidenden Sitzung des Technischen Ausschusses am 09. Oktober 2019, in der er mit seiner ganzen Autorität die Fußgängerzone durchgesetzt hat. Dafür gilt ihm unser Dank und unsere Anerkennung!

Der Praxistest zeigt nun, dass einiges noch verbessert werden sollte. Dazu hat die Stadt sich ja bereits geäußert. Darüber hinaus sollen bei dieser Gelegenheit auch von unserer Seite einige zusätzliche Kritikpunkte, Anregungen und Ideen nicht unerwähnt bleiben:

Flappach und erlebbares Wasser.
Der Flappach war in früheren Zeiten die Lebensader unserer Stadt, er hatte eine weitaus größere Bedeutung als die Schussen. Zahlreiche Mühlen und Tuchfärbereien sowie andere lebensnotwendige Einrichtungen benutzten das Wasser für ihre Zwecke. Später kam noch die Nutzung zur Stromerzeugung hinzu. Von all diesen historischen Zeugnissen finden wir auf dem Gespinstmarkt nichts mehr wieder. Aus dem kraftvollen Flappach ist jetzt oberflächlich ein langweiliges „Wässerle“ geworden, das zudem in einer sterilen Rinne aus Betonfertigteilen dahin fließt. Kein Plätschern, kein Spitzen und Strudeln, nicht einmal eine Stelle, an der man die Füße knietief baden kann, ist vorhanden. Die Betonrinne beginnt und endet mit sonderbaren Betonplastiken, deren gestalterischer Sinn sich nicht erschließt (Bild 1). Wir vermissen Wasserspiele für Kinder, Trinkbrunnen oder Wasserverdampfer zur Verbesserung des Kleinklimas im Sommer.

Bäume und Begrünung.
Weil der Untergrund des Gespinstmarktes zahlreiche Leitungen der Ver- und Entsorgung enthält, sind die Standorte für großkronige Bäume stark eingeschränkt – dies müssen wir leider akzeptieren. Man sollte aber statt dessen weiteres  zusätzliches Grün in Form von Pflanzgefäßen aufzustellen und die Hausbesitzer ermuntern, ihre Fassaden zu begrünen (Bild 2). Dazu bedarf es nur kleinerer Pflanzflächen an der Hauswand, die sich sicher finden lassen werden.

Fahrradständer, E-Bikes, Spielmöglichkeiten
Die aus einem Katalog für Stadtmöblierung ausgewählten Fahrradständer sind ein farblich und gestalterischer Missgriff. Im Architektenplan wurden einfache Metallrahmen aus schwarzem Flachstahl dargestellt, welche wesentlich besser zum Gesamtbild gepasst hätten. Zum Glück werden die Fahrradständer gut angenommen und werden so größtenteils verdeckt sein (Bild 3). Wir vermissen auch Spielmöglichkeiten für Kinder mit denen diese unbeaufsichtigt spielen können während die Eltern ihre Einkäufe tätigen. Eine weitere stählerne Halbkugel wie in der unteren Bachstraße könnte gut die Platzmitte markieren. Übrigens ein Spielgerät, das wegen seiner Einfachheit und Beliebtheit bei Kindern als genial zu bezeichnen ist.  

Sitzgelegenheiten
Ob die Bänke um die Baumstandorte zu hoch oder zu tief sind, hängt von der Körpergröße desjenigen ab, der darauf sitzen möchte (Bild 4). Wir beanstanden dies nicht. Anders die Stahlhocker. Ein Sitzhocker aus schwarzem Stahl ist natürlich schlichtweg unbrauchbar, weil er im Sommer zu heiß und im Winter zu kalt ist. Eine Verbesserung in Form einer Holzauflage ist jedoch leicht nachrüstbar und wohl auch schon in der Planung. Was uns aber zusätzlich stört, ist die starre Anordnung derselben und die Tatsache, dass man nicht zu mehreren darauf sitzen kann. Wir würden uns mobile Hocker oder Bänke aus Holz wünschen, die man wegen ihres Eigengewichtes zwar verschieben aber nicht so einfach mitnehmen kann. Mit leichten Stühlen hat ja Weingarten entsprechend schlechte Erfahrungen bereits gemacht (Bild 5).

Aufenthaltsmöglichkeit bei unbeständigem Wetter
In manchen Städten findet man Pavillons oder temporäre Überdachungen im Zentrum, bei denen man auch an der frischen Luft sitzen kann, wenn ein Regenschauer über die Stadt zieht oder die Sonne den Platz aufheizt. Manch einer könnte hier in Ruhe ein Buch oder eine Zeitung lesen, ohne dabei zwangsweise etwas konsumieren zu müssen.

Weitere Entwicklung
Mit dem neuen Gespinstmarkt ist zwar ein weiterer wesentlicher Baustein für die Stadtentwicklung geschaffen worden doch dabei darf es nicht bleiben:

Ganz dringend nötig ist jetzt die Umwidmung der Rossbachstraße in eine Fußgängerzone bis hin zum Gänsbühl, um so ein gleichwertiges Ostwest-Pendant zur Nordsüd-Achse Marienplatz zu schaffen.

Außerdem sollte die Brotlaube endlich eine angemessene Nutzung bekommen. Wir haben dafür ein Markthalle für Spezialitäten vorgeschlagen. Jedoch sind auch andere Möglichkeiten, z.B. aus dem Bereich der Kultur (Lesungen, Ausstellungen, Präsentationen der Stadt oder Konzerte), denkbar.

Die Hauptaufgabe für die künftige Weiterentwicklung haben jedoch einerseits die Hausbesitzer und Geschäftsinhaber am Gespinstmarkt und andererseits die Bürger zu übernehmen. Sie müssen für einen guten Branchenmix bei den Läden sorgen, ihre Häuser schmücken und pflegen sowie den Platz mit Leben erfüllen.

Ravensburg, den 13.05.22
Für das Bürgerforum Altstadt Ravensburg e.V.
Dr. Dietmar Hawran und Volker Petzold
(Vorstandsmitglieder)

 

Bild 1

 

Bild 2

 

Bild 3

 

Bild 4